Das südliche Ende des Los Glaciares Nationalpark ist wohl so ein Ort welchen man als Hidden Gem bezeichnen kann. Die meisten Touristen besuchen den Perito Moreno Gletscher ganz in der Nähe oder wandern beim Fitz Roy durch die Berge. Der Süden wird ignoriert. Besser für uns und solche die Zeit haben, um diesen Flecken Erde geniessen können.

Heute habe ich Zeit diese Zeilen zu schreiben, denn gehen kann ich sowieso fast nicht im Moment. Meine Füsse sind geschwollen und pulsieren. Das kommt von den drei Blasen. Eine davon ist an meiner Ferse. Nicht hinten an der Ferse, sondern unten an der Sohle. Sowas hatte ich noch nie. Auch sowas wie die letzten Tage habe ich noch nie erlebt und bin jetzt noch erschöpft davon.

Dazu kam es folgendermassen:

Tag 1

Um 5 Uhr morgens klingelt der Wecker und wir stehen motiviert auf. Heute haben wir eine lange, aber angenehme Wanderung vor uns. So steht es in unserem Wanderführer. Es steht auch das dieser Teil des Los Glaciares Nationalpark sehr unberührt ist. Das mögen wir.

Nach Kaffee und selbst gemachtem Brot fahren wir im Dunkeln bis zur Estancia Nibepo Aike. Diese alte argentinische Farm wird als Hotel und Restaurant genutzt. Für uns dient sie als Parkplatz für die nächsten Tage.

Unsere Wanderung startet bei einem Zaun beziehungsweise Tor, welches wir öffnen und hinter uns wieder schliessen. Es ist immer noch dunkel und ich verlangsame meine Schritte, um nicht über irgendwelche plötzlichen Unebenheiten zu stolpern. Ich versuche mit meinen Füssen zu spüren und das Terrain so vorherzusagen.

Als es langsam hell wird erkennen wir die wunderschöne Landschaft. Sie leuchtet golden durch das trockene Gestrüpp. Ein paar Bäume brechen die Landschaft. An ihnen ist nicht viel dran ausser gelbe oder grüne Blätter. Die Farben erinnern an den europäischen Herbst, nur ein bisschen herber. Rechts von uns erstreckt sich der Lago Argentino. Dieser leuchtet in diesem ganz speziellen blau, dass wir bis jetzt nur in Patagonien gesehen haben. Ein blau, dass abhängig vom Licht, als helles babyblau oder tiefes nachtblau erscheint. Rund um den See ragen hohe Berge empor. Sie tragen Gletscher.

Wir hören in regelmässigen Abständen ein Grollen.

Es hört sich an wie ein Donner. Da wir kein Gewitter sehen wird uns schnell klar, das es von den Gletschern kommt. Es könnten die abbrechenden Eismassen des Perito Moreno sein (einem Hotspot des Los Glaciares Nationalpark!), welcher sich gleich hinter dem nächsten Berg erstreckt. Eigentlich ist es das einzige Geräusch, welches wir hören. Das einzige neben dem Vogelgezwitscher und unseren Schritten. Und Wasser! Wasser? Wir sehen uns an und erkennen einen grösseren Bach nach dem nächsten Hügel.

Ihn zu überqueren ist nicht schwierig, denn er ist voller Steine. Trotzdem muss Stefan mir die Hand geben, denn mein Rucksack ist schwer und bringt dadurch meine Balance durcheinander. Ich bin es nicht mehr gewohnt einen Rucksack zu tragen. Er ist hauptsächlich mit Essen gefüllt, denn wir haben vor drei bis vier Tage unterwegs zu sein. Einen Schlafsack, eine Matte und genug Kleidung habe ich auch dabei. Stefans Rucksack ist mit den ähnlichen Dingen gefüllt zusätzlich hat er noch unser Zelt dabei.

Wir wandern nun durch die sanften Hügel in der Nähe des Lago Argentino. Unser Ziel ist der Lago Frias, der 17km entfernt sein soll. In unserem Wanderführer steht, man bräuchte dafür 8 Stunden. Deshalb wissen wir, dass entweder die Kilometeranzahl oder die Stunden nicht stimmen können, denn Höhenmeter werden wir nicht viele machen müssen.

Los Glaciares wandern

Wie lange es dauert spielt keine Rolle, denn der Weg ist wunderschön.

Er scheint auch von Quadfahrern und Reitern benutzt zu werden, aber nicht oft, so wie wir an der Vegetation erkennen können.

Wie aufs Stichwort sehen wir vor uns drei Reiter, die uns entgegenkommen. Sie halten an und der erste Reiter begrüsst uns auf Englisch. Er ist wohl der Touristenführer der beiden Reiter hinter ihm und er trägt ein typisch argentinisches Perret. „Habt ihr die Bewilligung?“, seine Frage verwirrt uns und so schauen wir ihn auch an. „Damit ihr hier sein dürft. Ihr braucht eine Bewilligung vom Los Glaciares-Parkwächter, um hier zu wandern. Das ist kein Problem, ihr geht einfach zurück zu ihm und er wird sie euch ausstellen.“ Ja, das hört sich nicht nach einem Problem an. Dass wir aber schon seit über drei Stunden unterwegs sind, macht die Geschichte etwas mühsamer. Er erzählt noch etwas von wilden Stieren und Pumas und ich versuche die Information zu verdauen. Weniger die der wilden Tiere, sondern diejenige, dass wir nun wieder den selben Weg zurückgehen müssen und die letzten Stunden wandern unnötig waren.

Die drei Reiter reiten davon. Und wir kehren um. Hm, das war schon recht dumm von uns einfach loszugehen. Wieder den ganzen Weg zurück? Und dann morgen nochmals dasselbe? Unsere Gespräche handeln von unserem Fehler und wie wir nun vorgehen sollen. Es ist halt so. Das Thema wird immer unwichtiger, denn die Schmerzen werden grösser.

Jedesmal wenn ich meine Füsse absetze durchzuckt es meinen Körper.

Jeder meiner Schritte fühlt sich an, wie wenn ich auf einer rostigen Schleifmaschine gehen würde.

Der schwere Rucksack macht sich auch bemerkbar. Denn da wir das Essen ja nicht verbrauchen, sondern für die Wanderung morgen und die Tage danach sparen müssen, wird der Rucksack auch nicht wie geplant leichter.

Auch Stefan hat immer mehr zu kämpfen. Sein Knie fängt an weh zu tun. Wir beide sind müde und jeder Kilometer scheint unangenehmer zu werden. Dies nicht nur weil wir erschöpft sind, sondern weil wir ein wenig wütend darüber sind, wie sinnlos diese Strapazen nun sind. Eifach den gleichen Weg nochmals zurück, um ihn dann morgen nochmals zu gehen. Wie blöde!

Wir nehmen die schöne Natur auch nicht mehr so wahr wie noch vor ein paar Stunden.

Nach sieben Stunden Marsch, kommen wir bei unserem Van an und beenden damit unsere Wanderung des Tages. Nächstes Ziel ist der Parkwächter.

In meinen Sandalen kämpfe ich mich die Treppen zum Parkwächterhäusschen hoch und wir erklären dem jungen Mann unseren Wunsch. Der Parkwächter trägt einen grossen Hut über seinem mit Sommersprossen bedeckten Gesicht. „Ich zeige euch hier auf der Karte die Route, die ihr gehen könnt. Es geht bis zum Lago Frias und dort übernachtet ihr im Refugio. Zeltet nicht, sondern nutzt die Hütte. Es gibt auch sonst keinen Ort um zu campen.“ Wir sind zwar ein wenig darüber enttäuscht, aber auch froh, dass wir am nächsten Tag das Zelt zuhause lassen können und auch nicht dem Wetter ausgeliefert sein werden.

Nibepo Aike

Wir füllen gemeinsam unsere Registrierung für die Wanderung aus. Alles ganz offiziell. Wir müssen unsere Passnummer, Reiseversicherung und einen Notfallkontakt angeben. Der Los Glaciares Nationalpark will wohl auf Nummer sicher gehen. Der Parkwächter fügt an: „Ich schreibe euch für drei bis vier Tage ein. Wenn ihr euch danach nicht meldet, kommen wir euch suchen. Also ich rechne mit einem Tag hinlaufen, dann eins bis zwei Tage ausruhen, dann zurücklaufen.“ Mit gefällt seine Einstellung.

Ich freue mich sehr auf die nächsten Tage. Wenn ich jetzt schon wissen würde was kommt, würde ich jedoch anders denken.

Tag 1 reloaded

Wie in einem Dejà-vu ziehen wir los. Der Weg ist derselbe. Wir öffnen das Tor, schliessen es und sind wieder auf der selben Wanderung. Der einzige Unterschied ist, dass wir heute schon mit Schmerzen starten. Ob das gut kommt?

Los Glaciares Nibepo Aike
Los Glaciares

„Wie eine rostige Schraube!“ „Was meinst du?“ Ich schaue Stefan verdutzt an. Er erklärt mit bildlich wie sein Knie sich anfühlt: „Es ist als ob sich eine rostige Schraube zwischen Kniescheibe und Gelenk einschraubt und wieder raus und wieder rein. Bei jedem Schritt.“

Wir gehen also beide mit rostigen Werkzeugen durch den Tag. Da auch die Schleifmaschine unter meinen Füssen nicht besser wird, wechsle ich die Schuhe. Ja, ich habe Turnschuhe mitgenommen. Gestern konnte ich fast nicht mehr gehen und heute habe ich diesen Ausweg dabei. Es hilft. Die Polsterung an den Füssen macht das gehen leichter und ich habe wieder neuen Mut.

An fast genau dem selben Ort, an welchem wir gestern den Reitern begegnet sind, hören wir einen Motor hinter uns. Ein Quad bewegt sich von hinten auf uns zu. Diesmal spricht der Herr spanisch und auf die Frage nach der Bewilligung antworte ich erfreut mit „Si!“. Er fährt weiter und wir gehen. Und gehen und gehen. Jetzt sind wir immerhin schon weiter als gestern.

Der Weg scheint kein Ende zu nehmen.

Nibepo Aike Los Glaciare

Doch nach Stunden sehen wir ein Häuschen, dort können wir eine wohlverdiente Rast machen und endlich etwas zu essen kochen. Als wir näher kommen, sehen wir dass das Haus in Gebrauch ist. Der Mann vom Quad bringt gerade Holz und erzählt uns, dass gleich Touristen auf Pferden hierher kommen. Deshalb können wir nicht vor dem Häusschen kochen, sondern müssen ein bisschen weiter weg. Das ist kein Problem. Das was er danach erzählt aber schon.

„Also wenn ihr es heute noch zum Refugio schaffen wollt, müsst ihr schnell gehen. Das geht noch eine ganze Weile. Und noch wichtiger ist, dass ihr dabei immer laut redet und ein wenig Lärm macht, denn es gibt Stiere. Wilde Stiere. Ihr werdet ihn nicht sehen, denn er beobachtet aus den Gebüschen heraus. Normalerweise verschwindet er dann wieder, aber eben nicht immer.“ Ich sehe Bilder von aufgespießten Toreros vor mir. Die haben es ja verdient, aber wir? Ich esse ja nicht mal Fleisch. Aber das weiss der Stier natürlich nicht.

Verzweiflung steigt in mir hoch. Wie soll ich es mit diesen schmerzenden Beinen bis zum Refugio schaffen? Und das auch noch schnell? Was wenn ein Stier auf uns zu rennt? Und wenn wir das Refugio vor Anbruch der Dunkelheit nicht erreichen? Wir haben ja kein Zelt dabei, weil der Parkwächter gesagt hat wie brauchen keins. Von den Stieren hat er auch nichts erzählt.

Stiere beim Lago Frias

Stefan bemerkt meine Verzweiflung und das macht seine Erschöpfung nicht besser.

Wir stehen also da und während wir ein paar Nüsse essen – um etwas zu kochen haben wir ja keine Zeit – besprechen wir, wie wir vorgehen wollen.

Wir haben die Wahl: Richtung Refugio gehen, in der Hoffnung wir erreichen dies bevor es dunkel wird. Das Problem ist aber, wir wissen nicht wie das Terrain sein wird. Es wird anders sein als bis jetzt und deshalb unseren Weg schwieriger machen, das heisst, uns verlangsamen. Schnell sind wir schon lange nicht mehr. Und die Geschichte mit dem Stier ist auch nicht so einladend.

Oder: Wir laufen wieder zurück. Das heisst nochmals 20 Kilometer denselben weg zurück, von welchem wir gestern auch schon zwei mal dreizehn Kilometer humpelnd gegangen sind. Ob wir es bis zum Auto schaffen ist unklar. Nicht nur wegen dem nahenden Nachteinbruch, sondern auch wegen unseren Füssen, Knien und Rücken. Das Zelt haben wir nicht dabei, aber unsere Schlafsäcke und Matten, also könnten wir ein Notlager einrichten.

Wir entscheiden uns für die letztere Option. Weshalb? Weil ich das weiterlaufen als zu unsicher einstufe. Ich bin nicht Bear Grylls.

Wie sich die nächsten Kilometer anfühlen, brauche ich wohl nicht zu beschreiben. Wir konnten schon gestern teilweise fast nicht mehr gehen und das heute ist eine reine Qual. Doch wir gehen weiter.

Wenn wir es bis zum Auto schaffen wollen, würden wir heute im Ganzen 40 Kilometer gehen und ich denke an das eine mal, als ich 40 Kilometer gewandert bin. Das war auf dem Jakobsweg in Spanien. Dort war ich schon drei Wochen unterwegs, als ich diese lange Strecke an einem Tag zurückgelegt habe. Und obwohl ich dann trainiert war, konnte ich am Ende des Tages nicht mehr klar denken geschweige denn noch gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es dann heute aussehen wird.

Jeder Schritt tut weh.

Bei Stefan und bei mir. Trotzdem bestärken wir uns gegenseitig. Stefan macht mir Mut, wenn ich umknicke, da ich mich fast nicht mehr auf den Beinen halten kann und ich spreche ihm gut zu, wenn er aufstöhnt wegen seinem Knie.

Rast auf der Wanderung

„Wahrscheinlich müssen wir draussen schlafen“, ich nicke und obwohl mir nicht so wohl dabei ist, weiss ich dass es keinen anderen Ausweg gibt. Schlaf wird uns wieder ein wenig fitter machen. Wir sind schon seit neun oder zehn Stunden unterwegs.

Wir besprechen, wie unser Schlafplatz aussehen sollte, damit wir geschützt sind vor Wind und Wetter. Am besten unter einem Baum und Gebüschen auf der Seite. Ich erwähne die Pumas. Wir haben schon so viel darüber gehört, aber noch keinen gesehen und können die Situation nicht einschätzen. Man soll sich gross machen, wild fuchteln und Augenkontakt halten, wenn man einem begegnet. Wie soll das schlafend gehen? Greifen Pumas schlafendes potentielles Futter an? Irgendwie kenne ich das Verhalten von Raubkatzen doch nicht so gut, trotz all den Tierdokus.

Da kommt mir die Geschichte eines Freundes in den Sinn.

Er verbrachte einmal ein paar Tage in der Wildnis in Nordamerika. Dort hätte es auch Pumas gegeben. Er hat zwar keinen gesehen, aber Kot, der so aussah wie von einer Katze, einfach grösser. Wir verbringen also die Zeit beim wandern jetzt mit der Suche nach überdimensionalem Katzenkot. Das ist gar nicht so einfach wie gedacht. Denn uns wird bewusst, dass Katzenkot nicht immer gleich aussieht. Während wir immer wieder bei einem Haufen stehenbleiben und darüber diskutieren, nehme ich mir vor, meinen Freund zu fragen, wie denn dieser Pumakot ausgesehen hat und ob er sich auch überlegt hat, dass Katzenexkremente nicht immer gleich sind.

Los Glaciares Lago Frias

Stefan sieht auf die Karte in seinem Handy und zeigt ganz aufgeregt darauf: „Diese Kurve da ist doch dort wo der grosse Bach ist?!“ Ja! Den haben wir schon drei mal überquert und es fühlt sich wie Heimat an. Ich entscheide: „Wir laufen noch bis dort hin, aber nur wenn es nicht mehr als zwei Kilometern sind.“ Stefan nickt, klickt auf „Route berechnen“ und da steht: 1.9km. Los geht’s!

Angekommen, füllen wir unsere Flaschen auf und suchen nach einem geeigneten Platz um unsere Zelte aufzuschlagen. Oder eben unsere Schlafsäcke. Wir finden eine kleine Lichtung und kochen uns eine Buchstabensuppe. Sie ist zu meiner Freude mehr Buchstaben als Suppe und hat noch nie so gut geschmeckt wie heute.

Ich bin satt, aber mir ist komisch zumute. Ich habe noch nie eine Nacht draussen verbracht. So in der Natur, wo Dunkelheit und Insekten hausen. So geht es wohl den meisten Stadtkindern. Wir wachsen damit auf, dass die Natur eine andere Welt ist. Ausserhalb von unserer Stadt und von uns.

Es wird langsam dunkel und wir machen unsere Matten und Schlafsäcke bereit.

Meine Beine tun so weh, dass ich es nicht schaffe einzuschlafen und bin deshalb erst im Halbschlaf als es anfängt leicht zu regnen. „Stefan. Stefan. Es regnet,“ er nimmt seine Matte und legt sie auf sich und den Schlafsack. Ich mache es ihm nach. „Wenn es nicht aufhört, müssen wir weiterlaufen oder einen anderen Platz suchen“, er erklärt mir auch, dass die Schlafsäcke nicht zu nass werden dürfen, „du willst nicht in einem nassen Schlafsack schlafen, glaube mir!“ Ich glaube ihm.

Der Regen wird stärker und Stefan steht auf um uns einen Baum zu finden, welcher uns vielleicht schützen kann. Er sagt, er wird eine Weile brauchen und ich solle warten. Während ich dort liege merke ich, dass sich mein Verhältnis zur Dunkelheit und der Natur verändert. Ich fange an mich verbunden zu fühlen. Das Gefühl, dass ich das Recht habe hier zu sein und hier zu schlafen erfüllt mich plötzlich. Ich bin nicht nur ein Besucher, sondern ein Teil davon. Ich bin ein Teil der Natur. So wie die Bäume, das Gras und der Nachtfalter, der gerade vor meinem Gesicht vorbeifliegt. Es ist nicht ganz dunkel. Es ist heller, als ich mir das vorgestellt habe. Plötzlich sehe ich wieder Stefans Taschenlampe. „Ich habe etwas gefunden!“

Wir nehmen unser Zeug und gehen durchs Dickicht zu einem Baum. Der Boden ist nicht eben, doch wir legen unsere Matten auf die Wurzeln und lassen uns von den Ästen oberhalb von uns beschützen.

Tag 2

Es ist zwar keine ruhige Nacht, doch wir können immer wieder schlafen. Als es langsam hell wird und mein Rücken mich fast umbringt, wecke ich Stefan. Um uns herum ist alles dunkelgrün und braun. Ein richtiges Pflanzengewirr bestehend aus Wurzeln, Gräser, Farne und anderen Blättern. Früher, also noch vor 24 Stunden, hätte ich an all die Insekten gedacht und mich gefragt, wie viele davon über Nacht in meinen Mund gekrochen sind. Jetzt aber sehe ich die Schönheit und perfekte Harmonie des Dickicht. Jetzt bin ich ein Teil davon.

Wir machen Kaffee und essen die restlichen Buchstaben, bevor ich mir die Wanderschuhe über die geschwollenen Füsse ziehe. Es geht weiter.

Los Glaciares

„Gehen wir langsam“, ich merke das Stefan immer noch Knieschmerzen hat und ich bin froh um seine Bitte, denn schnell gehen, kann ich heute auch nicht. Aber wir sind motivierter als gestern. Wir wissen auch, dass es nur noch drei Stunden sind bis zu unserem Zuhause auf vier Rädern.

Bei all unseren Lieblingsplätzen (wir kennen die Strecke ja gut!) machen wir Rast und geniessen die Natur und die Farben.

Nach ein paar Stunden sehen wir unseren Van von weitem. Wir sind zwar froh, dass wir es endlich geschafft haben, aber wie näher wir unserem Ziel kommen, macht sich eine Stille zwischen uns breit. Die Enttäuschung nicht bis zum Refugio gekommen zu sein ist gross. Diese Enttäuschung schafft es aber nicht ganz den Stolz zu überdecken, dass ich es geschafft habe durch die grossen Strapazen zu wandern und sogar noch unter freiem Himmel geschlafen habe.

Vanlife zuhause

Wichtige Infos für deinen Besuch am südlichen Ende des Los Glaciares Nationalpark:

  • Ausgangspunkt ist El Calafate, am besten reist du mit dem Auto, denn es gibt keine richtigen Busverbindungen
  • Die Ruta Provincial 15 führt dich dort hin
  • Du kannst kostenlos auf dem Camping El Huala stehen oder dein Zelt aufbauen
  • Für die Wanderung Richtung Laguna Tres de Abril oder Lago Frias musst du dich beim Parkwächter (Guardaparque) anmelden, du findest sein Haus gleich beim Camping. Er wird dir auch weitere nötige Infos geben. Du musst ihm auch zeigen können, dass du Schlafsack, Matte, Zelt, Gaskocher und genug zu essen dabei hast
  • Als Wanderalternativen gibt es an diesem Ende des Los Glaciares Nationalpark auch die Wanderung zum Cerro de los Cristalles. Dies ist eine schöne Tageswanderung
  • Falls du einem Puma begegnest solltest du ihm nicht den Rücken kehren, dafür ihn ansehen und dich gross machen. Du kannst auch mit der Jacke über dem Kopf herumfuchteln. Pumas sind nicht darauf aus, dich anzugreifen und zu essen, aber sie verteidigen sich und ihr Revier. Wenn du einen siehst, musst du es danach dem Parkwächter melden
  • Bei Fragen kannst du dich gerne bei uns melden oder hier unten in den Kommentaren schreiben (so können andere auch davon profitieren)

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2 KOMMENTARE

  1. Vielen dank Patricia, für den interessanten bericht im park da habt ihr viel erlebt
    was hier in Affoltern nicht für möglich gewesen wäre, Stefan gute beserung fürs Knie
    Gottes segen er behütet euch auf Schrit und Trit
    Gruss Vater und Bruno

    • Hallo lieber Bruno
      Vielen Dank für den Kommentar und die lieben Worte! Du hast recht, dies wäre in Affoltern nicht möglich gewesen 🙂
      Liebe Grüsse aus Argentinien
      Patricia und Stefan

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